Christoph Degen
Hessen

Position:

15. Februar 2017
Standpunkt

Lehrkräftemangel

Gelnhäuser Tageblatt

Zu Recht ärgern sich viele Eltern über Stundenausfälle in der Schule oder darüber, dass die Mathe-Stunde mal wieder vom Kunstlehrer gegeben wurde. Noch zu Beginn des Schuljahres sprach der Kultusminister davon, dass unsere Schulen angeblich so gut mit Unterrichtsstunden versorgt seien, wie noch nie. Das damals gezeichnete Bild und die heutige Situation passen jedoch nicht zusammen. Der „Bettelbrief“ des Kultusministers, den auch pensionierte oder vor der Pensionierung stehende Lehrkräfte im Main-Kinzig-Kreis erhalten haben, zeigt es ganz deutlich: In Hessen fehlen Lehrkräfte.

Der derzeitige Lehrermangel kommt jedoch nicht überraschend, sondern hat sich seit langem abgezeichnet. Kinder stehen schließlich nicht plötzlich vor der Schultür. In der Regel ist das sechs Jahre vorher bekannt. Auch Pensionierungen brechen nicht über Nacht herein. Die Lehrerausbildung ist von der hessischen Landesregierung jedoch seit Jahren auf Sparflamme heruntergefahren worden. Auch der Mangel an Förderschullehrkräften, die Hessen zur Umsetzung der Inklusion dringend benötigt, ist seit Jahren bekannt, wurde aber kaum beachtet. Jetzt die Flüchtlingsbeschulung dafür verantwortlich zu machen, ist eine ganz feige Ausrede für eklatante Versäumnisse. Zumal die meisten der Flüchtlinge gar nicht im Grundschulalter sind.
Alle Initiativen der SPD zum Ausbau der Aus- und Weiterbildungskapazitäten wurden in den letzen Jahren durch die schwarz-grüne Koalition abgelehnt und alle Hinweise auf die vielen Überlastungsanzeigen in den Wind geschlagen. Die Landesregierung muss nun endlich die Verantwortung für ihr Versagen übernehmen statt mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Christoph Degen

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