Christoph Degen
Hessen

Meldung:

27. Oktober 2016
Personalmangel an Förderschulen

Christoph Degen: Lehrermangel in Hessen behindert den Ausbau der schulischen Inklusion

Die Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage betreffend fachfremder Unterricht bei Anspruch auf sonderpädagogische Förderung (19/3689) deckt auf, wie eklatant sich der Lehrermangel in Hessen tatsächlich darstellt und wie schlecht das Land insbesondere auf inklusive Beschulung vorbereitet ist.

Die Landesregierung gibt in ihrer Antwort klar zu, dass sie die vorhandenen Stellen für Förderschullehrkräfte weder an den Förderschulen noch in der inklusiven Beschulung angemessen besetzen kann und dass sich dies in absehbarer Zeit auch nicht ändern wird. Dabei seien die Zahlen der Anfrage nur ein Ausschnitt für den Bereich der Sonderpädagogik. Zahlreiche Meldungen aus den Schulen weisen darauf hin, dass insbesondere an den Grundschulen und Beruflichen Schulen in hohem Maß ebenso qualifizierte Lehrkräfte fehlen, so der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen.

„Die Inklusionspolitik der Landesregierung ist unglaubwürdig“, stellte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion heute in Wiesbaden fest. „Landesweit sind 77 Lehrerstellen an Förderschulen nicht besetzt, nicht einmal befristet oder fachfremd. Besonders eklatant ist der Lehrermangel im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner-Kreis, wo zehn Prozent der Stellen im Förderschulbereich vakant sind“, kritisierte Degen.

Lehrermangel sei nicht das einzige Problem. Auch bei Qualität und Weiterqualifizierung bestünden massive Defizite. „Bei den besetzten Stellen verfügen im Durchschnitt 16 Prozent der Lehrkräfte nicht über die entsprechende Lehrbefähigung, im Schulamtsbezirk Fulda sogar mehr als 26 Prozent. Die Landesregierung verwässert damit nicht nur die Unterrichtsqualität, sondern streut den Eltern mit ihrer Mär vom Lehrerhöchststand auch noch Sand in die Augen“, sagte Degen.

Um andere Lehrkräfte für die besondere Förderung von Schülerinnen und Schülern fit zu machen, seien mehr als die jetzt zur Verfügung stehenden 20 Plätze pro Jahr zur Weiterbildung erforderlich, monierte Degen. „Keine einzige zusätzliche Stelle im Haushaltsplan des Landes wird etwas bewirken, wenn nicht endlich die Aus- und Weiterbildungskapazitäten erhöht werden. Es ist fatal, dass die schwarz-grüne Koalition jüngst die SPD-Anträge dazu im Landtag abgelehnt hat.“

Eine Landesregierung, die schon heute einräume, dass die Stellen im Förderschulbereich hessenweit bis 2020 nicht vollständig durch Förderschullehrkräfte abgedeckt werden können, sei entweder handlungsunfähig oder -unwillig. Degen: „Die Weiterentwicklung zu einem inklusiven Schulsystem erfordert Weitblick und Handlungskraft. Beides ist unter Schwarz-Grün derzeit nicht einmal ansatzweise erkennbar.“

Christoph Degen

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