Christoph Degen
Hessen

Position:

01. Juli 2015
Standpunkt

Ehe für alle

Gelnhäuser Tageblatt

Irland hat es per Volksabstimmung vorgemacht. Und nun legalisiert der oberste US-Gerichtshof die gleichgeschlechtliche Ehe in den Vereinigten Staaten. Deutschland und Hessen zaudern noch. Das Thema polarisiert. Auch wenn sich die Parteien hier eindeutig positionieren, scheint sich die Frage, ob man sich für oder gegen die Ehe für alle ausspricht, nicht am politischen Spektrum festmachen zu lassen.

Dabei hat bei mir der Besuch einer Schülergruppe einer kirchlichen Privatschule katholischer Prägung vergangene Woche im Landtag Eindruck hinterlassen. Junge Menschen, die sich selbst als politisch eher konservativ bezeichneten, hielten flammende Plädoyers für die Ehe für alle. In der am gleichen Tag im Landtag stattfindenden Abstimmung habe ich dann in namentlicher Abstimmung dafür gestimmt, die entsprechende Bundesratsinitiative zur Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu unterstützen. Zwar wurde der Antrag von CDU und Grünen abgelehnt, aber wie lange sich dieser Widerstand noch hält, ist fraglich. Denn nichts scheint mächtiger zu sein als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Die Forderung nach einer Gleichstellung der Rechte und Pflichten gleichgeschlechtlicher Paare gefährdet keines Wegs die Ehe zwischen Mann und Frau, so meine Meinung. Vielmehr sollte sich die Ehe der Lebenswirklichkeit der Menschen anpassen. Ehe ist dort, wo zwei Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Das Argument, dass die Ehe ausschließlich der Reproduktion dienen soll, teile ich nicht. Denn denkt man diese Argumentation zu Ende, dürften zum Beispiel auch Paare, die keine Kinder bekommen können, nicht heiraten.

Für viele Familien besteht das „klassische Modell“ Vater, Mutter und Kind alleine längst nicht mehr. Auch die Familie in Deutschland ist bunt und vielfältig. Es gibt Alleinerziehende, Patchwork- oder Regenbogenfamilien. Familie ist dort, wo Menschen für ihre Kinder oder ihre Eltern Sorge tragen. Einerseits zu begrüßen, dass die Gesellschaft bunter wird, aber gleichzeitig die nötigen rechtlichen Schritte zu verweigern, das passt nicht zusammen.

Christoph Degen

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