Christoph Degen
Hessen

Pressemitteilung:

24. April 2018
Ganztagsschulen

Christoph Degen: Ganztagsschulausbau im Schneckentempo

„Von einer Teilnahmequote von 70 Prozent der rund 1.700 hessischen Schulen am Ganztagsschulprogramm zu sprechen, ist eine dreiste Mogelpackung“, urteilt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Christoph Degen. „Zwei Stunden Häkeln am Nachmittag einmal die Woche macht noch keine Ganztagsschule. Wenn ein Schüler einmal die Woche eine Nachmittagsbetreuung in Anspruch nimmt, zählt Schwarz-Grün die Schule schon zum Ganztagsprogramm.“

Zudem setze das hessische Sparprogramm „Pakt für den Nachmittag“ vor allem auf Betreuung statt auf Bildung. Die Landesregierung solle hier endlich auf das Etikett Ganztagsschule verzichten, denn eine Schule mit kostenpflichtiger Betreuung aber ohne pädagogisches Konzept habe nicht das Geringste mit einer Ganztagsschule zu tun. Die meisten Pakt-Schulen seien zudem schon zuvor im Ganztagsprogramm gewesen.



Schwarzgrün stehe beim Ausbau echter Ganztagsschulen auf der Bremse. „Wenn der Ausbau weiter im Schneckentempo erfolgt, werden noch Jahrzehnte vergehen, bis wir flächendeckend qualitativ und pädagogisch hochwertige Ganztagsschulen haben. Wir brauchen endlich mehr Schulen mit einer ausgewogenen Verteilung von Unterricht auf den Vor- und Nachmittag, an denen ein pädagogisch sinnvoller und kindgerechter Rhythmus aus Lern-, Arbeits- und Spielzeiten stattfindet, der angemessen individuell auf die Stärken und Schwächen der Schüler eingeht. Darauf legen Eltern Wert.“



Nicht vergessen dürfe man, dass es aufgrund des Lehrermangels ohnehin schwierig sei, genügend Lehrkräfte für den Ganztagsbereich zu finden. Eine gute Ganztagsschule aber benötige genügend Fachkräfte, die Ganztagsunterricht als pädagogische Chance begreifen. Um die Herausforderung Ganztag besser meistern zu können, seien auch spezifische Fortbildungen, Coaching und wissenschaftliche Begleitung wie auch eine weitere Steigerung der Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte notwendig.



Zu der „Erfolgsmeldung“, dass sich 25 von 33 Schulträgern am Pakt beteiligen, gehöre auch die Wahrheit, dass nur ein Bruchteil der Grundschulen sich für eine Teilnahme entscheiden. In Frankfurt beispielsweise seien es von 93 Grundschulen gerade einmal 17, in Wiesbaden 10 von 40. „Hier von einem attraktiven Programm zu sprechen, ist Schönfärberei. Die schlechten Rahmenbedingungen tragen nicht zur Nachfrage bei Eltern, Schülern und Lehrkräften bei.“

Christoph Degen

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