Christoph Degen
Hessen

Pressemitteilung:

26. September 2017
Regierungserklärung

Christoph Degen: Bildungsqualität in Hessen verzweifelt gesucht

Vor dem Hessischen Landtag hat heute Kultusminister Lorz eine Regierungserklärung zur Schulpolitik in Hessen abgegeben. In der Plenardebatte dazu stellte Christoph Degen, der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, fest: „Die heutige Regierungserklärung war nicht mehr als der Beipackzettel einer Packung Beruhigungspillen. In der Hoffnung, dass die wirklichen Baustellen nicht angesprochen werden, erzählt der Kultusminister viel, ohne viel zu sagen. Auf das drängendste Problem, den Lehrermangel und die hohe Anzahl von Lehrkräften ohne pädagogische Ausbildung hat die Landesregierung keine Antwort. Schwarzgrün kann noch so viele Stellen aus dem Hut zaubern, wenn die nicht besetzt werden können oder mit geringqualifizierten Kräften besetzt werden, wird aus Flickwerk keine Qualität.“

Degen machte in seiner Rede deutlich, dass es der SPD nicht darum gehe, überall ein bisschen mehr draufzusatteln, sondern um eine andere Schulpolitik. Exemplarisch nannte er den Ausbau echter Ganztagsschulen, die Unterstützung der Kommunen beim Angebot von Schulsozialarbeit sowie eine stärkere Lehrerzuweisung nach dem tatsächlichen Bedarf der Schulen. Schwarzgrün mache von allem ein bisschen, packe aber nichts richtig an. Der Lehrermangel bleibe noch über Jahre eine Belastung, die nicht mit ein bisschen mehr Qualifizierung zu beheben sei. Die diversen Notmaßnahmen zur Bekämpfung seien unattraktiv, dauerten zu lange oder würden zu wenig nachgefragt.

„Wir brauchen eine deutliche Steigerung der Aus- und Weiterbildungskapazitäten und Qualifizierungen, vor allem für die vielen bisher nur befristet beschäftigten Lehrkräfte“, so der Bildungsexperte. Erst 140 Stellen an Grundschulen zu streichen und dann einen Praxisbeirat einzurichten, der sich Lösungen zur Entlastung der Lehrkräfte überlegen solle, führe zu Verunsicherung und Verärgerung an und in den Schulen.

Zur Steigerung der Attraktivität des Lehramts an Grundschulen fordere die SPD die gleiche Einstiegsbezahlung aller Lehrkräfte nach der Besoldungsgruppe A13. Die Versäumnisse im Schulsystem seien so massiv, dass Ausbügeln und Glätten nicht reiche. Wer 6.000 Personen ohne pädagogische Ausbildung an den Schulen unterrichten lasse, solle nicht von Bildungsqualität sprechen, sondern von Mangelverwaltung. Lehrermangel sei jahrelang nur beobachtet statt bekämpft worden. Das hessische Schulsystem brauche keine Hauruck-Aktionen und Notfallpakete, sondern Verlässlichkeit und klare, vorausschauende Konzepte. „Bildungsgerechtigkeit, Inklusion, Ganztagsschulen und Schulsozialarbeit sind nicht von heute auf morgen zu realisieren. Aber es sind klare Ziele, die schrittweise und planvoll umzusetzen sind“, sagte Degen.

Christoph Degen

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