Christoph Degen
Hessen

Position:

30. Dezember 2017
Kolumne

Musikalische Bildung sichern

Hanauer Anzeiger

Mit der Landtagswahl im Herbst 2018 sind alle Bürgerinnen und Bürger Hessens aufgerufen auch über Änderungen unserer Verfassung abzustimmen. Geplant ist u.a. die Förderung der Kultur als Staatsziel zu verankern. Diesen Vorschlag unterstütze ich ausdrücklich und will dies am Beispiel der Musik verdeutlichen. Musik ist weit mehr als die Abfolge von Tönen. Sie ist Teil unseres kulturellen Erbes, sie ist eine Sprache, die jeder versteht. Sie ist Kunst und vieles mehr. Musik hat auch Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit und das Lernverhalten, ebenso auf Emotionen. So kann Musik bei Kindern Angst und Aufregung lindern oder sie wacher und aufnahmefähiger machen.

Ob Geige, Blockflöte, Gitarre oder Klavier, Musik ist besonders wirkungsvoll, wenn Kinder selbst spielen, denn das Musizieren wirkt sich positiv auf die Gehirnentwicklung aus. Kinder, die ein Instrument spielen, sind aufmerksamer, sie können Informationen besser aufnehmen und haben weniger Probleme zu lesen und zu schreiben.
Wie man ein Instrument spielt und Noten liest, lernen viele Kinder in einer Musikschule. Zwar steht auf der Homepage des zuständigen Ministeriums, dass die Unterstützung der Musikschulen einen Schwerpunkt in der hessischen Musikförderung bilde, aber die meisten Musikschulen in Hessen sind darauf angewiesen, sich zum größten Teil durch Elternbeiträge zu finanzieren. Nur in Schleswig-Holstein liegt der Elternanteil für Musikschulen so hoch wie in Hessen. Ob ein Kind ein Instrument spielen lernt, hängt also in hohem Maße vom Geldbeutel der Eltern ab.

Musikschulen werden zwar als Teil des kommunalen Bildungsangebots angesehen, doch die meisten Kommunen in Hessen unterliegen starken Sparauflagen. Die freiwillige Leistung, die Musikschulen angemessen zu fördern, ist daher vielerorts einfach nicht möglich. Dennoch verweist die Landesregierung, die die Städte und Gemeinden stark einschränkt und ihnen Gelder entzieht, hier gerne auf die Kommunen. Dabei liegen laut Grundgesetz die Kompetenzen für Kultur- und Bildungspolitik bei den Bundesländern. Würde das Land die Musikschulen ausreichend finanziell unterstützen, wäre der Besuch einer Musikschule für viele Kinder kein Luxus mehr. Der Landesverband der deutschen Musikschulen fordert daher zurecht eine Verdreifachung der Fördersumme. Selbst dann würde sich das Land nicht mal an einem Drittel der entstehenden Kosten beteiligen. Bleibt also zu hoffen, dass die geplante Änderung der Hessischen Verfassung am Ende nicht nur heiße Luft ist, sondern die Landesregierung die geplante Verfassungsergänzung dann auch durch Taten bekräftigt.

Christoph Degen

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